Liobafest 2026: Festgottesdienst mit Erzbischof Stephan Burger

27.09.2026 | Höhepunkt des 80. Liobafestes am Samstag war der sehr gut besuchte Festgottesdienst in der Tauberbischofsheimer Stadtkirche St. Martin

Erzbischof Stephan Burger kam hierzu gerne in die Kreisstadt, wie er in seinen Eingangsworten humorvoll meinte „ein Täter kommt an seinen Tatort zurück“: schließlich war er schon einmal als beliebter Kaplan in Tauberbischofsheim tätig. 

Pfarrer Thomas Holler ging zuerst auf die Heilige Lioba ein, die sich in unserer Gegend für den christlichen Glauben und Gottesdienst, für Bildung und Armenfürsorge stark gemacht hat. Mit ihrem Leben und Wirken habe sie heute manchmal eine traurige Aktualität, aber vor allem eine hoffnungsvolle Botschaft, für die heute auch unser Erzbischof stehe. Unter den vielen Mitfeiernden begrüßte er auch Bürgermeisterin Schmidt, Kanzleramtsministerin Nina Warken, die mit dem Besuch die Verbundenheit mit ihrer Heimat zeige, viele weitere Priester der Kirchengemeinde An Tauber und Main sowie zahlreiche Ministranten und die mitwirkenden Chöre.

Erzbischof Stephan Burger ging in seinen Predigtworten auf die Rebstöcke ein, die das Taubertal prägen. Die Früchte, die Trauben, könnten nicht wachsen, wenn sie nicht mit dem Rebstock verbunden wären, sonst seien sie saft- und kraftlos. Ähnlich sei es bei Christen: ohne Verbindung mit der Gemeinschaft könnten sie auch keine Früchte mehr bringen. Aber durch Taufe und Firmung seien sie mit Christus verbunden und in der Eucharistiefeier erhielten sie den Lebenssaft, um den Alltag bewältigen zu können.
 
Beispielhaft dafür stehe Lioba, die in Christus verwurzelt war und sich mit dieser Kraft den Menschen widmen konnte. Gottes Ruf war so stark, dass sie von England nach Tauberbischofsheim kam und damit dem Ruf von Bonifatius folgte. Dieser wusste, welch offenes Herz Lioba hatte, um den Menschen zu helfen, welche Weitsicht, um den Menschen hier mit in der damaligen Zeit mangelnder Bildung eine Bildung mit Herz zukommen zu lassen. So wurden Frauen und Müttern der Geist des Evangeliums vermittelt und dieser gute Geist auch in den Familien gepflegt.
 
Im Gegensatz dazu werde Wissen heute oft nur aus der KI gezogen, wobei die „Herzensbildung“ fehle. Deshalb engagiere sich die Kirche weiterhin in den Stiftungsschulen. Wichtig sei die Rückbindung an Christus, die auch keine Organisationsentwicklung lösen können. Auch in der Kirche könnten Strukturreformen keinen gelebten Glauben ersetzen. Nur aus der Begegnung mit Gott erwachse der Dienst am Reich Gottes. Hier wurde Erzbischof Burger auch politisch: Er beklagte die derzeit wachsende Polarisierung in der Gesellschaft und verurteilte mit klaren Worten Blut und Boden-Ideologie, Rassismus und demokratiefeindliche Bestrebungen in der Gesellschaft. Und er fragte: „Gelingt es uns Christen, gegenzusteuern?“ Jedenfalls dürfe es uns nicht egal sein, wenn die Würde von Menschen verletzt werde. Er selbst könne nicht verstehen, dass viele aus der Geschichte anscheinend nicht gelernt hätten, vor allem nicht, wieviel Not und Leid Kriege gebracht haben. Nicht umsonst feiere man das 80. Liobafest als Dank für die Verschonung vor Bomben im 2. Weltkrieg. Dabei gehe es ihm nicht um Klagen oder Anklagen, sondern darum, die Demokratie zu schützen und trotz aller Probleme Freude und Zuversicht zu verbreiten. Dazu brauche es auch Tage wie das Liobafest, es brauche Orte des Gebetes in Kirchen und Kapelle, es brauche das Christsein in den Vereinen. Das Christsein ende nicht an der Kirchentüre. Es gelte, in die Gesellschaft hinein zu strahlen, Liebe zu empfangen und zu geben, immer mehr wie zu Reben zu werden, die Frucht bringen für Zeit und Ewigkeit.
 
Der Gottesdienst wurde musikalisch mitgestaltet vom Projektchor An Tauber und Main, dem Kinder- und Jugendchor Mini-Maxis, dem Kirchenchor St. Martin, Kantorin Marianne Lienich-Prößner sowie an der Orgel und am Flügel Bezirkskantorin Julia Kohler, die zusätzliche die musikalische Gesamtleitung hatte. Auch die beliebten Liobalieder der Gemeinde durften nicht fehlen, sie wurden begeistert mitgesungen. Zum Schluss des Gottesdienstes erfolgte die Segnung der Liobabrötchen durch Erzbischof Stephan Burger, die anschließend von den Ministranten an die Gottesdienstbesucher verteilt wurden.
 
 
  
 
Dann stand, dank dem Gemeindeteam und vielen Helferinnen und Helfern an der Kirche bei bestem Wetter die Begegnung im Mittelpunkt, dazu gab es Mittagsessensangebote, die reichlich genutzt wurden. Die syrisch-orthodoxe Gemeinde erweiterte das Essensangebot in bewährter Weise, die KJG St. Martin hatte einen köstlichen Linseneintopf zubereitet, die Ministranten backten leckere Waffeln. Starken Zuspruch fand der Bücherflohmarkt mit vielen ansprechenden Büchern für kleine und große Leser. Hierzu wurden im Vorfeld viele Bücher gespendet, die in diesem Jahr wieder viele neue Interessenten fanden.
 
In Verbindung mit der Trommelreise standen auch die guten Soli-Brote vom Brotkörble, deren Erlös ebenfalls die Misereor-Aktion unterstützten. Die Erzieherinnen und Erzieher der KITA St. Martin hatten sich nicht nur eine große und interessanten Spielstraße einfallen lassen: zum 80. Liobafest durften die Kinder große Kirchenfenster mit Kreide gestalten. Da die früheren Klöster ja auch immer einen Garten mit heilenden Kräutern hatten, durften die Kinder diesen Heilsgedanken mit umsetzen: mit Salz und Rosmarin aus dem eigenen KITA-Gelände durften sie sich zu diesem besonderen Liobafest ein Lioba-Rosmarin-Salz herstellen.  Bericht: Bk - Webredaktion: cw

  
 
Weitere Berichte: 
 
Mehr über die Heilige Lioba und die Bedeutung des Liobafestes für Tauberbischofsheim erfahren: